Neues Netzwerk: Ein Handy, das durch Zeit Leben rettet!

Es kann jeden treffen – im Haushalt, an der Arbeit, in der Freizeit, beim Sport oder auch im Straßenverkehr: Jede Minute verunglücken in Deutschland Menschen. Auch wenn im vergangenen Jahr die Anzahl der Todesopfer niedriger als in den Vorjahren war, erliegen dennoch durchschnittlich elf Menschen pro Stunde ihren Verletzungen. Um diese Zahl noch geringer werden zu lassen – durch noch bessere Erstversorgung – hat sich in Deutschland jetzt ein Traumanetzwerk gegründet, in Mittelhessen vorerst mit 13 beteiligten Kliniken. Das Kreiskrankenhaus des Vogelsbergkreises in Alsfeld GmbH ist mit bei den Vorreitern dieser neuen Organisation und hat seit April 2010 offiziell das Zertifikat als Lokales Traumazentrum. Seitdem gilt das Alsfelder Kreiskrankenhaus  innerhalb des Traumanetzwerkes Einrichtung der Basisversorgung.

Die jeweiligen Traumanetzwerke in den einzelnen Bundesländern und den dort noch mal aufgeteilten Regionen – wie die hiesige Region Mittelhessen – bestehen aus den sogenannten Basisversorgern, aus regionalen Traumazentren, aus überregionalen Traumazentren und spezialisierten Behandlungszentren, die untereinander kooperieren – enger noch, als es bisher der Fall war.

Durch das Traumanetzwerk wird gewährleistet, dass Schwerverletzte sofort optimal und vor allem sehr zeitnah versorgt werden. „Die erste Stunde ist immens wichtig“, erklärt Dr. Arno Kneip, Chefarzt der Unfallchirurgie am Alsfelder Krankenhaus. Um diese wichtige Zeitspanne einhalten zu können, benötigt man eine optimal vorbereitete und zertifizierte Klinik, die die Ersttherapie übernimmt und somit die richtigen Weichen für den weiteren Behandlungserfolg stellt – „Schwerverletzten Management“ nennt man dies.

„Notwendig ist dabei vor allem die Einrichtung eines Schockraumes“, erklärt Kneip, der seit 2005 im Alsfelder Kreiskrankenhaus tätig ist und den Anschluss des KKHs an das Traumanetzwerk forciert hat. „Unser Schockraum ist nach den Anforderungen des Weißbuches eingerichtet. Wir können jetzt innerhalb kürzester Zeit alle Diagnostiken vornehmen, Not-OPs und damit lebensrettende Erstversorgungen durchführen.“ Entsprechend ist der Schockraum im Alsfelder Krankenhaus so angesiedelt, dass die Wege zu CT, Röntgen oder Labor extrem kurz sind und die Ausstattung des Schockraumes dem eines OPs ähnelt, um schnell agieren zu können – beispielsweise bei einem Milzriss oder anderen inneren Blutungen.

Je nach Verletzungsgrad kann der Patient gegebenenfalls nicht vor Ort versorgt werden, sondern benötigt eine spezielle Therapie oder ein spezielles Operationsverfahren – beispielsweise bei Verbrennungen oder schwerwiegenden Schädelverletzungen. In dem Fall wird der Patient in Alsfeld stabilisiert und behelfsmäßig behandelt, beispielsweise durch Stabilisierung von Knochenbrüchen, Legen von Infusionen oder Stillen von inneren Blutungen.

An dieser Stelle kommt, abgesehen von der räumlichen Ausstattung und des standardisierten Ablaufs der Erstversorgung, der wesentliche Vorteil des Traumanetzwerks zum Tragen: Das Traumahandy. „Wenn wir erkennen, dass ein Patient so schwer verletzt ist, dass er eine spezielle Behandlung benötigt, reicht ein kurzer Anruf auf dem Traumahandy und es wird von dortigen Notfallmanagern dafür gesorgt, dass ein Hubschrauber kommt und den Patienten in eine geeignete Klinik fliegt, die noch Kapazitäten frei hat. Das „Traumahandy“ nimmt uns damit glücklicherweise die ganze Organisation ab“, erklärt Kneip, der sich bisher persönlich – bzw. sein Team – um einen Transport und einen Klinikplatz kümmern musste. Somit haben die Ärzte vor Ort Zeit, sich ganz und gar dem Schwerverletzten zu widmen, anstatt am Telefon zu warten, bis sie einen Transport organisiert oder die Klinik am Telefon haben, die den Patient aufnehmen kann. „Allein diese Zeitersparnis rettet Leben!“

Einen kleinen, lokalen Vorteil hat das Alsfelder Kreiskrankenhaus gegenüber Mitstreitern zusätzlich: „In unserem Krankenhaus sind alle Chirurgen auch Unfallchirurgen, diese Ausbildung durchlaufen sie automatisch bei uns im Haus. Somit fangen wir als Traumazentrum nicht bei null an und müssen unserer Ärzte nicht erst auf Schulungen schicken – heißt, sie sind alle routiniert in der Schwerverletztenversorgung.“ Und: „Dadurch, dass wir am Randgebiet liegen, können wir sowohl mit den Traumanetzwerken Mittelhessen als auch Osthessen kooperieren.“ Ein weiterer Vorteil, den Kneip und sein Team zu nutzen wissen – und mit dem sich die Patienten, die unfreiwillig in diese Lage kommen, etwas beruhigter den Ärzten des Alsfelder Kreiskrankenhauses anvertrauen können.

 

 
Suchen   |  Impressum   |  Sitemap