Diabetische Lebensmittel sind unnötig!

Die Zeit der Tabus ist vorbei! Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft sind eine spezielle Diät und diatetische Lebensmittel für Menschen mit Diabetes mellitus (Typ 1 + Typ 2) nicht mehr notwendig. Denn durch die moderne Diabetestherapie mit Blutzuckerkontrollen und der Therapieanpassung an aktuelle Blutzuckerwerte, ist eine gute Führung des Glukosestoffwechsels möglich. Voraussetzung dafür ist aber eine gesunde und ausgewogene Ernährung, wie sie auch für Nicht-Diabetiker empfohlen wird.

Da viele Menschen mit Diabetes aber auch übergewichtig oder gar adipös sind, ist deren Therapieziel nicht nur die Optimierung der Blutzuckerwerte. Von daher fordern die Leitlinien der DDG  ab sofort eine Diabetestherapie unter Vermeidung einer Unterzuckerung und der Vermeidung einer weiteren Gewichtszunahme.

Unter dieser Forderung sind Diätprodukte für Diabetiker eher schädlich als nützlich, da sie einen zu hohen Fruktosegehalt haben, der sich bei vermehrter Aufnahme ungünstig auf den Stoffwechsel auswirkt. Zudem kann die erhöhte Zufuhr zur Insulinresistenz, Fettstoffwechselstörung und zu erhöhten Harnsäurewerten führen sowie die Entstehung des metabolischen Syndroms begünstigen und die hormonelle Gewichtsregulierung negativ beeinflussen.

Ernährungsempfehlung

Es kommt auch hier auf die richtige Mischung von Kohlenhydraten, die einen langsamen Blutzuckeranstieg bewirken, Eiweiß und Fett an. Besonders wichtig ist die Bedeutung der Ballaststoffe in der täglichen Ernährung. Ballaststoffe sind unverdaulich und deshalb eine Bremse für den Blutzuckeranstieg. Damit sind Gemüse, Obst und Hülsenfrüchte gemeint. Deshalb gilt bei Gemüse und Obst die Regel: "5 mal am Tag"

Wichtig für eine gesunde Ernährung sind Obst, Gemüse, mageres Fleisch, Fisch, Vollkornprodukte und viel Wasser. Achten Sie zudem bitte auf folgendes:

  • reduzierte Energiemenge (weniger Kalorien)
  • niedriger Konsum gesättigter Fette
  • kohlehydratreiche Lebensmittel mit niedrigem glykämischen Index, bspw. ballaststroffreiche Gemüse,  Hülsenfrüchte und frisches Obst.
  • wenn Schokolade oder Süßigkeiten, dann normale Produkte und dies als Genussmittel verstehen  — also in Maßen

Dies sind Empfehlungen, die auch für die gesunde Bevölkerung ausgesprochen werden, die aber auch auf den Schulungen noch mal intensiv vermittelt oder wieder ins Gedächtnis gerufen werden.

 

Ernährung bei Diabetes Typ 1

Die Ernährungsempfehlung bei Typ 1 Diabetes entspricht überwiegend der Empfehlung für gesunde Ernährung der DGE ( Deutsche Gesellschaft für Ernährung). Diese ist auch für Menschen ohne Diabetes gültig. Insulinbehandlung und Ernährung müssen gut aufeinander abgestimmt werden. Dadurch können zu hohe oder zu niedrige Werte verhindert werden.

 

Ernährung bei der intensivierten Insulintherapie

Bei der intensivierten Therapie wird lang wirkendes Insulin in kleinen Mengen gespritzt. Damit wird nur der Grundbedarf abgedeckt. Wann und wie viel kurz wirksames Insulin gespritzt wird, hängt vom Zeitpunkt und der Größe der Mahlzeit ab. Der Patient entscheidet ob, wann und wie viel er essen möchte. Manchmal werden kleine  Zwischenmahlzeiten nötig, um die abklingende Wirkung eines schnell wirkenden Insulins aufzufangen. Werden sehr schnell und kurz wirkende Insuline angewendet,  kann auf Zwischenmahlzeiten meist verzichtet werden. Allerdings muss der Patient evtl.  zusätzlich Insulin spritzen, wenn er zwischendurch essen möchte.

 

Ernährung bei der konventionellen Insulintherapie

Bei einer konventionellen Insulintherapie wird in der Regel  zwei bis dreimal am Tag lang wirkendes Insulin oder Mischinsulin gespritzt. Der Zeitpunkt, die Menge und die Zusammensetzung der Mahlzeit, vor allem der Anteil an Kohlenhydraten müssen gut geplant werden. Dadurch wird die Insulinwirkung sinnvoll genutzt. Der Tagesablauf wird so zum großen Teil von der Insulinwirkung bestimmt. Regelmäßige Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten sind erforderlich. Zwischenmahlzeiten und eine Spätmahlzeit haben die Aufgabe, Unterzuckerungen zu vermeiden.


Ernährung bei der Pumpentherapie

Die Pumpentherapie bietet bei der Ernährung eine größere Freiheit. Mit einer korrekt eingestellten Basalrate wird die Grundversorgung abgedeckt. So ist es möglich, Mahlzeiten auszulassen. Hauptmahlzeiten und essen zwischendurch können per Knopfdruck mit Insulin abgedeckt werden. Auch hier gelten die Regeln der gesunden Ernährung, genauso wie für alle Menschen. Um die richtige Insulinmenge zu ermitteln, ist ein ausführliches Wissen über die blutzucker- erhöhenden Nahrungsmittel und die Aufnahmegeschwindigkeit der Kohlenhydrate erforderlich.

 

Zucker bei Diabetes?

Das Verbot von Zucker in der Ernährung bei Diabetes ist überholt. Auf Zucker in unverpackter Form und in Getränken sollte verzichtet werden ( Ausnahme: Unterzuckerung, hier sind diese Produkte sinnvoll und hilfreich). Zucker in Kuchen, Schokolade und Eis usw. darf verzehrt werden. Die Therapie muss darauf abgestimmt werden und der Kaloriengehalt ist zu beachten. Diätprodukte sind nicht notwendig. Süßstoffe können zum Beispiel in Getränken hilfreich sein, um einen ausgeprägten Blutzuckeranstieg zu vermeiden.

 

 

Ernährung bei Diabetes mellitus Typ 2

Eine ausgewogene Ernährung ist für die erfolgreiche Diabetestherapie unabdingbar. Die moderne Diabetesernährung entspricht der Ernährungsempfehlung für gesunde Menschen. Extra kochen und einkaufen sind nicht erforderlich. Bei der Kalorienmenge ist zu beachten, nur so viel zu essen, wie man auch wirklich verbraucht. Ziel ist die Vermeidung einer Gewichtszunahme. Ideal ist das Erreichen und die Erhaltung des Normalgewichts. Die Empfehlung, viele kleine Mahlzeiten am Tag zu essen, ist für die meisten Menschen wenig sinnvoll. Besser sind drei Hauptmahlzeiten mit höchstens 2 kleinen Zwischenmahlzeiten. Ausnahme sind bestimmte Therapien, die Zwischenmahlzeiten oder Spätmahlzeiten zur Vermeidung von Unterzuckerungen notwendig machen.

 

Kohlenhydrate

Kohlenhydrate erhöhen den Blutzuckerspiegel direkt. Komplexe Kohlenhydrate sind nur wenig blutzuckerwirksam. Einfach- oder Zweifachzucker dagegen bewirken einen starken und schnellen Blutzuckeranstieg. Kohlenhydrate dienen der Energieversorgung von Gehirn und Körperzellen. Ihr Anteil an der Gesamtaufnahme sollte genauso hoch wie beim Gesunden liegen. Es ist aber sinnvoll, die schnellen Kohlenhydrate nur bei sehr niedrigen Blutzuckerwerten zu sich zu nehmen. Im normalen Alltag bewähren sich Kohlenhydrate mit einem hohen Anteil an Ballaststoffen, um starke Blutzuckerschwankungen zu vermeiden.

 

Zucker

Das Verbot von Zucker in der Ernährung bei Diabetes ist überholt. Auf Zucker in unverpackter Form und in Getränken sollte verzichtet werden ( Ausnahme: Unterzuckerung, hier sind diese Produkte sinnvoll und hilfreich). Zucker in Kuchen, Schokolade und Eis usw. darf verzehrt werden. Die Therapie muss darauf abgestimmt werden und der Kaloriengehalt ist zu beachten.Süßstoffe können zum Beispiel in Getränken hilfreich sein, um einen ausgeprägten Blutzuckeranstieg zu vermeiden.

Diätprodukte für Diabetiker sind überflüssig. Sie haben meist einen hohen Fett- und Kaloriengehalt und sind zudem auch unverhältnismäßig teuer. Auch die so genannten Zuckeraustauschstoffe (Fruchtzucker, Sorbit usw.) haben keinen Vorteil für den Diabetiker. Sie wirken abführend und blähend und sind dadurch eher belastend als hilfreich.

 

Fette

In der Ernährung spielen Fette eine wichtige Rolle. Etwa 30% der Energiemenge, die wir täglich zu uns nehmen dürfen Fettkalorien sein. Das sind etwa 70g Fett pro Tag. Wobei tierische Fette wie Butter, Wurst, Käse, Sahne etc. eher sparsam angewendet werden sollen. Pflanzliche Fette oder Öle zum Beispiel Raps- oder Olivenöl und Nüsse sollten bevorzugt werden.

Fett hat sehr viel Energie. 1g Fett liefert ca. 9 kcal. Wer Übergewicht hat und abnehmen möchte, kann durch das Einsparen von Fett viel Energie einsparen und dadurch Gewicht verlieren. 30 g Fett pro Tag reichen aus, um den Stoffwechsel ausreichend zu versorgen.

Eiweiß

Für Gesunde und Menschen mit Diabetes gilt: die Zufuhr von 10-15% der Gesamtenergie (ca. 60g pro Tag) ist ausreichend. Die Eiweißzufuhr muss verringert werden, wenn eine Nierenschädigung.

Alkohol

Alkohol in geringen Mengen darf mit Vorsicht genossen werden. Das heißt pro Tag 1-2 Gläser Wein oder Bier sind möglich. Da Alkohol die Freisetzung von Zucker aus der Leber blockiert, drohen schwere Unterzuckerungen. Deshalb Alkohol nur in Verbindung mit einer kohlenhydrathaltigen Mahlzeit trinken. Außerdem hat Alkohol sehr viel Energie. 1 g Alkohol liefert ca. 7 kcal. Alkohol verhindert den Fettabbau und ist somit für Menschen mit Übergewicht ungeeignet.

Vitamine, Mineralstoffe

Vitamine und Mineralstoffe sind wichtige Inhaltsstoffe in frischem Obst und Gemüse. Diese Nahrungsmittel  sollten auf dem Speiseplan stehen. Hier gilt die Devise 5 am Tag.  Das heißt 5 Portionen wahlweise aus Obst, Salat und Gemüse pro Tag sichern die ausreichende Zufuhr von Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen usw. 1 Portion entspricht einer Handvoll.

Allgemeine Ernährungsempfehlung bei Diabetes mellitus

  • Essen Sie bewusst langsame Kohlenhydrate, das heißt  vor allem Vollkornprodukte, Reis (Natur oder Parboildreis), Nudel (aus Vollkorn oder Hartweizengrieß ohne Ei), Vollkornbrot und Vollkornbrötchen (Roggen oder Dinkel) Vorsicht: dunkle Brot – und Brötchensorten können mit Malzzucker oder Glucosesirup gefärbt sein.
  • Ein besonders wertvolles Nahrungsmittel für Menschen mit Diabetes mellitus ist Hafer. Zum Beispiel als Müsli zum Frühstück (Haferflocken und Haferkleie mit frischem Obst und Natur-Joghurt (1,5% Fett) oder Milch (1,5% Fett)
  • Bevorzugen Sie Gemüse, Salate und frisches Obst in der täglichen Ernährung, hier gilt die Devise: 5 Portionen (jeweils ca. eine Handvoll) am Tag
  • Wenn Sie mögen, essen Sie ein- bis zweimal in der Woche Fisch
  • Essen Sie selten fette Fleisch- und Wurstwaren.
  • Sparen Sie beim Streich- und Kochfett (erforderliche Menge mit einem Teelöffel abmessen)
  • Bitte achten Sie auf gute Fette (hochwertige Pflanzenfette mit einfach ungesättigten Fettsäuren, mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Omega3- Fettsäuren)
  • Bevorzugen Sie magere Milchprodukte (1,5% Fett) und Käsesorten (30- 40% Fett i. Tr.)
  • Trinken Sie 1,5 bis 2l Wasser, ungesüßten (evtl. mit Süßstoff) Früchte – oder Kräutertee täglich, um ausreichend Flüssigkeit aufzunehmen
  • Säfte verdünnt mit Wasser (10 Teile Wasser: 1 Teil Saft) sind erlaubt  (Achtung: auch Diätsäfte enthalten Zucker)
  • Als „ Betthupferl“ eignen sich Nüsse oder Mandeln (nicht geröstet und nicht gesalzen)

 

Vermeiden Sie bitte nach Möglichkeit:

  • Weißmehlprodukte

  • Zuckerwaren (zum Kuchen backen können Sie auf die Hälfte der angegebenen Zuckermenge verzichten und mit Süßstoff nachsüßen)

  • Gemüsekonserven, Früchte aus der Dose

  • Fertigprodukte

  • Vermeiden Sie zuckerhaltige Süßgetränke wie Cola, Limonade (Cola light und Limo light sind mit Süßstoff gesüßt und deshalb in kleinen Mengen erlaubt)

  • Vermeiden Sie pure Fruchtsäfte
  • Rauchen ist für Patienten mit Diabetes extrem gefährlich

     

         

        • Selten und wenig Alkohol trinken und mit Vorsicht genießen
       

      Ihre Ansprechpartner

      Ursula Reul-Hölscher

      Diabetesberaterin DDG
      Diabetesassistentin DDG

      Telefon 0 66 31 | 98-75 20
      Telefax 0 66 31 | 98-11 18

      u.reul[at]kreiskrankenhaus-alsfeld.de 

       Dr. med. Peter Hien

      Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Geriatrie, Diabetologie und Allergologie

      Telefon 0 66 31 | 98-12 17
      Telefax 0 66 31 | 98-11 18

      p.hien[at]kreiskrankenhaus-alsfeld.de 

       

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